Suchen und Finden
von Magazinartikeln:




 | Sitemap


Über uns Magazine Seminare Service Kontakt





Ich weiß nicht, wann alt anfängt...



Ich weiß nicht, wann alt anfängt....

"Ich fahre so oft an der Weser entlang - hier rauf, übers Weserwehr, andere Seite zurück, über die Kaisenbrücke nach Hause - ist genau eine Stunde. Nur im Winter ist es mir zu kalt..." Lore Paas lebt seit Juni 1999 in Bremen und ist begeisterte Radfahrerin. Vorher hat sie in Remscheid gelebt. Nach dem Tod ihres Mannes wollte sie nicht mehr allein in dem schönen Einfamilienhaus leben "Auch Remscheid war ohne meinen Mann nicht mehr das, was es früher war. ...Sicher, wegen der Tochter bin ich nach Bremen gezogen, aber Bremen als Stadt finde ich wunderschön." Lore Paas ist eine Bewohnerin des "Hauses im Viertel" - einer Wohnanlage der Bremer Heimstiftung im Steintor. Ortswechsel im Alter - für mich kein Tabu", erklärt sie uns. Und wie sie denken einige: Fast die Hälfte der 80 BewohnerInnen des "Hauses im Viertel" sind Zugereiste. Sie suchen im Alter die Nähe der Kinder. "Bis jetzt geht’s bei mir noch ganz gut, aber es kann ja anders werden und dann ist es schon besser, man ist mit der Familie zusammen", so erklärt Hans Richter uns seinen Umzug von Stuttgart nach Bremen. Er wollte nach dem Tod seiner Frau vor einem Jahr selbständig bleiben und nahm sich eine Wohnung im "Haus im Viertel". Sein Sohn wohnt gleich um die Ecke. Hans Richter genießt den Spaziergang an der Weser in die Innenstadt. Im Schnoor hat er den richtigen Laden für sein Hobby gefunden: Modellbau. "Eine Werkstatt für meine Laubsägearbeiten habe ich hier nicht, aber für die Papiermodelle reicht der Platz". Auch für das vertraute Wohnzimmer gab es genügend Platz in der neuen zwei Zimmerwohnung. Das Eßzimmer hat er zurückgelassen. Das braucht er hier nicht. Er geht jeden Mittag um zwölf Uhr zum Essen, das im Haus angeboten wird. Kochen, Waschen, Putzen sind Serviceangebote des Hauses, die er gern in Anspruch nimmt. Er arbeitet lieber auf dem kleinen Gartenstück vor seiner Wohnung, pflanzt Blumen und hält den Rasen kurz.
Hans Richter ist einer der elf Männer im "Haus im Viertel". "Bei den meisten Ehen bleiben ja die Frauen übrig." Er hat sich an das Alleinsein nach seinen 60 Ehejahren noch immer nicht gewöhnt.
Über die Angebote des Hauses und die Informationstafeln ist es möglich, neue Kontakte aufzubauen, aktiv an der Gemeinschaft teilzunehmen und das Leben im Haus mit zu gestalten.
Es werden Gesprächsrunden, Bewegungstreffs, ein Englischkurs und Gedächtnistraining - auch für die Nachbarn - angeboten. Mit und von Mietern werden gemeinsames Singen, der Klönschack, Kartenspielen und das Kaffee-Gemütlich organisiert. "Man könnte doch auch zusammen ins Theater gehen,...die Bremer Theaterszene ist doch so nah", dachte Nachbar Johannes G.F.Bruns und stellte seine Ideen im Hause vor. Seit fünf Jahren gibt es nun einen "¼ -Theaterbesuchs-Kreis": 30 Stücke wurden inzwischen gemeinsam besucht. Für Gesa Meisen, auch eine Nachbarin, sind die Nachmittage mit den MieterInnen im Haus immer ein Erlebnis. Als begeisterte Hobbygeschichtsforscherin erfährt sie in ihrer Geschichtswerkstatt, die einmal im Monat im Haus stattfindet, von den alten BremerInnen "gelebte Geschichte", die sie so in Büchern nicht findet. "Wie war das damals..." steht auch im Mittelpunkt der Gespräche, die BewohnerInnen mit den SchülerInnen der Grundschule Schmidtstraße begonnen haben. Der Austausch zwischen Jung und Alt gehört zum Konzept des "Hauses im Viertel".>br>
Viele der BewohnerInnen kommen aus Bremen, ja, haben in der Nachbarschaft gewohnt. Das Ehepaar Giesela und Herbert Prange kann von seiner Wohnung noch den Eingang ihres früheren Bremer Hauses sehen. "Es fiel uns nicht leicht, das Haus zu verkaufen. Aber die Treppen waren viel zu steil. Da haben wir gerechnet und gefragt, was haste, was kriegste, was kannste? Und haben uns schnell entschlossen und sind mit unseren Möbeln hier eingezogen. Es gibt einen Fahrstuhl und rund um die Uhr eine Notruf-Hilfe. Wir kochen weiter selbst und habe sogar ein Gästebett für Besucher. Unsere Nachbarin ist auch mit ihrem Hund hier eingezogen. Naja, und für ein neues Auto hat das Geld auch noch gereicht," erklärt Herbert Prange mit einem Lächeln im Blick.
Ursula Schnell, die Leiterin des "Hauses im Viertel", versucht auf die Bedürfnisse der MieterInnen einzugehen und freut sich, wenn sich Lebensträume auch im Alter noch erfüllen: In den Räumen stellt eine Bewohnerin ihre Skulpturen aus. Sie fand hier endlich Zeit, sich mit der Bildhauerei zu beschäftigen.
Ursula Schnell hilft dabei, daß die BewohnerInnen zu ihrem Recht kommen, gibt Tipps, ermutigt und vermittelt an entsprechende Beratungsstellen weiter. ´"Unser Konzept basiert darauf, daß die Selbstbestimmung und die Würde erhalten bleiben. In die Konflikte der Mieter untereinander mische ich mich nicht ein. Jeder bleibt hier in seiner eigenen Verantwortung."
Alle Serviceangebote können frei gewählt werden. So auch der ambulante Pflegedienst. In jedem Zimmer der Wohnungen gibt es einen Notruf-Schalter: 24 Stunden kommt sofort ein "Mensch" und bringt Hilfe.
Der gute Kontakt zu den Nachbarn im Viertel gibt den BewohnerInnen zusätzliche Sicherheit.
So ist es nicht erstaunlich, daß alle 75 freifinanzierten Wohnungen der Anlage vermietet sind. Nur wenn ein Mieter zu einem Dauerpflegefall wird, kann er nicht im Hause bleiben. Die Wohnung kann neu vermietet werden. "Wir versuchen diesen Zeitpunkt so lange es geht hinauszuziehen. Obwohl wir eine lange Warteliste haben....." erklärt Ursula Schnell: "Keine leichte Aufgabe."
Das "Haus im Viertel" wird 2003 in einer Mitteilung des Senats der Hansestadt Bremen über das "Wohnen im Seniorenalter" zu recht lobend erwähnt. In der Wohnanlage ist das meiste von dem realisiert worden, was als Anspruch hier noch formuliert wird: Förderung des gemeinsamen Erlebens zwischen den Generationen und Aufbau von Nachbarschaften, die Nähe zu den Verwandten, zwei Zimmerwohnungen mit Bad und Küche und Serviceleistungen sowie eine gute Infrastruktur des Wohngebietes. Wohnanlagen am Stadtrand werden von den Senioren selten nachgefragt.
In der östlichen Vorstadt lebten 2001 fast 5000 alte Menschen über 60. Altengerechte Wohnungen gab es nur 381. Welche Möglichkeiten im Ausbau dieser neuen Wohnkonzepte liegt, hat auch die Neubürgeragentur Bremens erkannt. In ihrem "Modul 60plus" fördern sie den Zuzug von Senioren nach Bremen.
Das "Haus im Viertel" ist eine Senioren Wohnanlage und kein "Altenheim". Und in diesem Fall steht nicht nur was Neues drauf, es ist auch was Neues drin. "Das Haus sind Wir - alle, die hier leben und arbeiten. Darum ist es schön, wenn die Menschen zu uns kommen, wenn sie noch aktiv sein können, um auch aktiv am Leben im Haus teilnehmen zu können. Wenn sie früh neue Wurzeln schlagen." Das bestätigt auch Frau Rinne, die erst hier hergezogen ist, als das Alleinwohnen zu unsicher wurde: "Ich bedauere, dass ich mich nicht schon eher entschieden habe."





Zurück zur Ausgangsseite




rostfrei



BR-Newsletter






Ihr Name:



Email-Adresse:



In dieser Version hätte ich ihn gerne:


 TEXT, Appetizer


 HTML, Appetizer


 HTML, Vollversion












» Taschenkalender
» Reisen mit Kellner







Online-Shop






Vom Stauhaken zum Container
Hafenarbeit im Wandel

Hafenarbeit

nur EUR 12,80

Stadionkultur
Werder-Heimspiele: Das Fotobuch aus Sicht der Fans

Stadionkultur

nur EUR 6,95

MAV-Fachkalender 2010

MAV-Fachkalender 2010

nur EUR 9,90

weitere Produkte ...







Kontaktadresse






info@kellnerverlag.de














Arbeitsrecht & Kirche



SachBuchVerlag & SachBuchService Kellner




Bremensien & Sachbücher

Betriebsräte

Personalräte

Mitarbeitervertretungen

Schwerbehindertenvertretungen

Jugend & Auszubildende

Thematische Suche

Sachbücher, preisreduziert